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Anne Schumann: Nicht nur Zaungäste

Anne Schumann: Nicht nur Zaungäste. Konfirmanden dauerhaft in die Gemeinde integrieren, Neukirchen-Vluyn 2006

Dieses Buch ist schon deshalb etwas Besonderes, weil es aus der Feder einer ehrenamtlichen Teamerin (im Zivilberuf Gymnasiallehrerin) stammt, die ihre langjährige Erfahrung in der Konfirmandenarbeit (in Mainz seit 1995) in dieses Buch hat einfließen lassen.

Das Grundproblem das verhandelt wird, ist ein altes (und ungelöstes): Wie schaffe ich es, dass Konfis auch nach der Konfirmation (zumindest potentiell) aktiv und selbstverständlich Teil ihrer Gemeinde sind? Wie lege ich meine KA an, damit aus diesem Potential Realität werden kann? Wie überwinde ich das negative Denken, das vorauszusetzen scheint, dass Kirche für Konfirmierte irrelevant ist?

Allen ekklesiologischen Grundsatzüberlegungen (Was ist Gemeinde?) zum Trotz ist der Wunsch, die "eigenen" Konfis auch nach der Konfirmation in der "eigenen" Gemeinde am Werk zu sehen, ein Wunsch jedes Menschen, der mit Herz und Engagement KU vor Ort macht. Bei diesem Wunsch setzt das vorgestellte Buch ein.

Es legt - bildlich gesprochen - den Finger in die Wunde(n) der KA, sucht die Heilung und das Heil aber nicht in einer Radikaloperation (Paradigmenwechsel, neues Konfi-Modell etc. ...), sondern in solider Wundpflege, die darauf vertraut, dass fachkundige Betreuung und die vorhandenen Selbstheilungskräfte ausreichen, um den Patienten KA genesen zu lassen. Nicht bildlich gesprochen: Die Autorin ist der Meinung, dass man "herkömmliche" KA (und herkömmliche Gemeinde!) soweit optimieren kann, dass die Nichtteilnahme von Konfirmierten am Gemeindeleben nicht mehr billigend und/oder resignierend zur Kenntnis genommen wird, sondern ihre Teilnahme als reale Möglichkeit gedacht (und damit auch erreichbar und erreicht) wird. Aus dem Vorfindlichen durch stetige Weiterentwicklung immer Besseres machen - das ist ein (m.E. sehr motivierender, weil das Vorfindliche nicht abqualifizierender) Grundgedanke dieses Buches.

Zu vielen der theoretischen und praktischen Ausführungen könnte man sagen: "Das ist nicht neu, und zudem recht konservativ und traditionell gedacht" (und man hätte damit recht). Der springende Punkt liegt aber darin, dass das Buch den unprätentiösen und ehrlichen Versuch darstellt, KA im Hinblick auf "Verstetigung" zu durchdenken. Ganz selbstverständlich schwingt auch immer der Gedanke mit, dass eine solche KA auch die Gemeinde verändert, dass es also nicht die Konfis sind, die sich anpassen müssen, sondern die Gemeinde, die ihnen Zugänge zu bieten und sich auf sie einzustellen hat (Gottesdienst!).

Jeder Lesende wird die Knackpunkte (aber auch das Gute) in seiner eigenen KA (und seiner Gemeinde) erkennen - und wird im Praxisteil des Buches die Gedanken und Lösungen der Autorin kennen lernen und damit die eigene Praxis überdenken und verbessern können. Dieser Praxisteil, der sozusagen das momentane Stadium optimierter Mainzer KA beschreibt, umfasst zwei Drittel des Buchumfangs, beschreibt die Struktur der Schumannschen KA (Mischung aus wöchentlichen Treffen in den ersten drei Monaten der KA und Konfi-Samstagen danach) und gibt einen tiefen Einblick in die Inhalte und Planungen der einzelnen Einheiten.

Stefan Kammerer

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