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Tobias Beißwenger, Achim Härtner, Konfirmandenarbeit im freikirchlichen Kontext. Der Kirchliche Unterricht in der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland. Ergebnisse der bundesweiten Studie 2012–2016, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2017, 427 S., 49,99 Euro

Beim zweiten Durchgang der bundesweiten, von Tübingen aus koordinierten Studien zur Konfirmandenarbeit hat sich erfreulicherweise auch die Evangelisch-methodistische Kirche beteiligt. Die umfangreichen Ergebnisse der Vollerhebung – mehr als 90 % aller KU-Gruppen haben sich beteiligt – liegen in diesem Band 9 der Reihe „Konfirmandenarbeit erforschen und gestalten“ vor und bieten anregende Vergleichsmöglichkeiten für die landeskirchliche Konfirmandenarbeit. Auch wenn es durchaus deutliche inhaltliche und strukturelle Unterschiede gibt, etwa die bewusste Trennung von Einsegnung und Kirchengliedschaft oder die Minderheitssituation einer Freikirche – gibt es spannende Perspektiven und Fragen, die in den anderen Studien weniger Gewicht hatten.

Grundsätzlich sind Glaubensüberzeugungen und christlicher familiärer Hintergrund deutlich höher als in den EKD-Gliedkirchen, die Situation entspricht in manchen Punkten noch am ehesten der in Ostdeutschland. Wie in anderen Studien auch zeigt sich ein extrem starker Zusammenhang von persönlicher Einstellung und familialer Prägung. Noch deutlich ausbaufähig ist die Beteiligung Ehrenamtlicher und die Durchführung von KU-Camps, die erst in den letzten Jahren begonnen wurde. Auch aktivierende und kreative Methoden sind insgesamt etwas weniger üblich als bei den EKD-Kirchen. Spannend sind die Erfahrungen, wie kleine Gruppen ortsübergreifend zusammenarbeiten – ein Problem, das sich gerade auch in der Konfi-Arbeit vermehrt stellt.

Spannend ist, dass die Werte zwischen Jugendlichen und Unterrichtenden beim Thema „Engel“ am weitesten auseinanderliegen (S. 136) – ähnlich wie übrigens in der EKD. Diesem Thema sollte künftig mehr Aufmerksamkeit zukommen. Erfreulicherweise widmen die Autoren dem Thema „Digitale Medien“ einen eigenen Abschnitt und beklagen die geringe Nutzung digitaler Medien: „Unterrichtende sollten in diesem Zusammenhang bedenken, dass durch den Verzicht auf digitale Medien, die Gefahr bestehen kann, dass der klassische KU von den Jugendlichen als Arbeitsform aus einer längst vergangenen Zeit wahrgenommen wird, der mit ihrem Alltag wenig zu tun hat.“ (S. 159)

Ausführlich wird die Frage erörtert, wie methodistische Jugendliche ihre Minderheitssituation einschätzen und erleben. Kritisch wird die Praxis reflektiert, die Gliederaufnahme zeitlich und inhaltlich vom KU weitgehend abzukoppeln.

Der Band wird abgerundet durch eine wertschätzende Kommentierung der Ergebnisse von Friedrich Schweitzer aus der Außenperspektive, die von den Leitbegriffen Volkskirche und Freikirche ausgeht, was wiederum von den Autoren der Studie dialogisch beantwortet wird.

Sowohl die Darstellung der empirischen Ergebnisse als auch die Interpretation sind erfreulich konkret und anregend, sodass die Lektüre längst nicht nur für freikirchlich interessierte Menschen empfehlenswert ist.

Thomas Ebinger

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