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Dieter Niermann, Spaß an Konfirmandenarbeit

Vollständiger Titel: Spaß an Konfirmandenarbeit. Neue Wege, neuer Schwung, neue Konzepte, Neukirchen-Vluyn 2013, 176 S., 19,99 Euro

„Spaß an Konfirmandenarbeit“ verheißt der Titel des neuen Buches von Dieter Niermann, Diakon, Sozial- und Erlebnispädagoge in Bremen-Lesum. Spaß stellt sich ein, wenn Konfirmandenarbeit „kreaktiv“ angegangen wird. Niermann will dazu ermutigen, eingefahrene Wege zu verlassen und die Konfirmandenarbeit kreativ zu gestalten. Darüber hinaus wirbt er dafür, Konfirmandenarbeit aktiv als dynamischen Prozess zu gestalten. Eine solche kreative und aktive, also „kreaktive“ Konfirmandenarbeit wird den Konfirmandinnen und Konfirmanden und nicht zuletzt den Verantwortlichen in der Konfirmandenarbeit Spaß bringen.

In seiner Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden lässt sich Niermann dabei von folgenden Prinzipien leiten, die sich auch in seinen Praxisbausteinen wiederfinden lassen: Kreaktive Konfirmandenarbeit schränkt sich selbst ein. Denn Beschränkung sorgt für Fokussierung und für Konzentration unserer Kräfte und Aufmerksamkeit. Dadurch wird es möglich neue Wege zu beschreiten. Darüber hinaus braucht kreaktive Konfirmandenarbeit Momente des Innehaltens, glückliche Momente der Verwunderung. Niermann versucht den Konfirmandinnen und Konfirmanden (und auch den Unterrichtenden) eigenes Erleben zu ermöglichen. Kreaktive Konfirmandenarbeit eröffnet außerdem Räume in denen die Erfahrungen reflektiert werden können. Und schließlich und vor allem sind Niermanns Ideen oft eines: Ungewöhnlich.

Beispielsweise die Konfi-WG: Die Kirchengemeinde mietet ein Häuschen an. Während des Konfi-Jahres leben 30 Jugendliche aufgeteilt in drei Zehner-Gruppen mit jeweils zwei Mitarbeitenden zweimal für einen Monat gemeinsam in einer Konfi-WG. An jedem Abend gibt es eine gemeinsame Gesprächsrunde. Einmal monatlich ein Treffen aller Jugendlichen. Die typischen Konfi-Themen kommen dabei nicht zu kurz, sondern ergeben sich aus dem Kontext heraus. Aus der Diskussion der Jugendlichen um WG-Regeln erfolgt beispielsweise ganz organisch die Auseinandersetzung mit den 10 Geboten.

Oder der Club der Toten Dichter: Ein Konfi-Jahr wird komplett auf der Basis von Literatur aufgebaut. Herzstück dieses Jahres sind neben regelmäßigen kurzen Treffen einige lange Treffen an besonderen Orten. Die Konfis erfahren zu Beginn des Jahres lediglich die Termine hierfür. Kurz vor den Treffen steht eine Gedenkanzeige zu einem Dichter in der Tageszeitung, die mit einem kurzen Text eine Spur zum Thema legt und den Ort verrät: In einer alten Halle des Bremer Flughafens beschäftigen sich die Konfis mit dem Flieger Saint-Exupéry. In der Kleiderkammer wird die Martinslegende besprochen und das diakonische Handeln der Kirche greifbar. Im Laufstall eines Milchbauern findet die Weihnachtsgeschichte ihren Ort.

Eine Stärke von Niermanns Ansatz ist, dass es Konfirmandenarbeit konsequent als ein einjähriges Projekt versteht, durch das sich ein Jahresthema als roter Faden hindurch zieht. Eine weitere Stärke ist die Öffentlichkeitswirksamkeit, die diese Art der Konfirmandenarbeit erzielt. Schließlich durchbricht kreaktive Konfirmandenarbeit durch ihre ungewöhnlichen bis verrückten Ideen alle gängigen Kirchen-Klischees. Langweilig ist so ein Konfirmandenjahr sicher nicht!

„Das ist aber aufwendig!“ Dieser Einwand liegt mir bei der Lektüre etlicher Anregungen auf der Zunge. Aber auch für Konfi-Verantwortliche, die nicht unbedingt gleich ein ganzes Haus anmieten wollen, gibt es viele Anregungen, die überschaubar sind und die sich leicht in das eigene, bestehende Konzept integrieren lassen. Wer allerdings Instant-Konfibausteine sucht, die noch kurz vor der Konfi-Stunde zubereitet werden können, wird hier nicht fündig. Wer genaue Stundenabläufe und vorformulierte Impulse sucht, auch nicht.

Die Lektüre dieses Buches lohnt sich, denn Niermanns Ideen inspirieren und machen Lust zum Ausprobieren und zum Entwickeln eigener kreativer Ideen.

Anne Polster

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