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Jörg M. Reich, Mittendrin

Verlag Neues Buch

a) Das Buch für Konfirmandinnen und Konfirmanden, 128 S., 9,95 Euro (Staffelpreise), auch als Loseblatt-Ausgabe mit Ringordner

b) PfarrerInnenausgabe: Einfache und schnelle Gestaltungs-Vorschläge zu 12 Themen der Konfirmandenarbeit, 19,80 Euro. Prüfangebot mit 4 Wochen Rückgaberecht für beide Titel für 25 Euro.

„Mittendrin“ heißt der Versuch von Jörg M. Reich, ein Vollsortimenter-Konfi-Werk zu verfassen, Frucht seiner langjährigen Arbeit als Dozent für Konfirmandenarbeit am Religionspädagogischen Institut der EKHN. Es bietet die wesentlichen Inhalte der Konfirmationsvorbereitung und versucht sie von der Lebenswelt der Konfis her zu erschließen. Recht sparsam werden Lückentexte eingesetzt und Arbeitsaufträge formuliert, so dass das Buch durchaus selbständig gelesen werden kann und nicht nur punktuell oder regelmäßig im Unterricht einzusetzen ist.

Die Texte sind gut und ansprechend für ein mittleres Verständnis-Niveau formuliert und versuchen, dem Denken und der Lebenswelt der Jugendlichen gerecht zu werden. Theologisch vertritt der Autor eine Mainstream-Theologie, der sich viele werden anschließen können. Taufe wird z. B. gedeutet als „Akzeptiert sein“ durch Gott und übertragen darauf, wie wir andere Menschen akzeptieren können: „Je mehr du jemandem zeigst, dass du ihn akzeptierst, desto mehr wirst du von ihm akzeptiert“ (S. 47). Abendmahl wird beschrieben als „Kraft und Geheimnis“, jugendsprachlich „Power tanken“ (S. 51ff). Das früher häufig überbetonte Thema Beichte und Sündenvergebung beim Abendmahl wird allerdings – wohl bewusst – ausgeklammert  nicht einmal bei der Beschreibung eines typischen Ablaufs (S. 56) kommt es vor.

Etwas anbiedernd wirkt auf mich der Versuch, die Jünger Jesu zu seiner Clique zu erklären, wie es die Stationen-Materialien zu „Jesus, göttlich menschlich“ tun. Eine Clique besteht aus grundsätzlich gleichrangigen Mitgliedern, während die Jünger Schüler des Rabbis Jesu waren und damit eindeutig auf einer anderen Ebene. Gut gefallen haben mir hingegen die profilierten fünf Seiten zum Thema „Evangelisch – na klar!“ (S. 64ff).

Beim Thema Glaube und Credo wird wie üblich der Heilige Geist vernachlässigt, spannend ist das prominente Aufgreifen der Formulierung „An sich selbst glauben?“, das mit „ja“ zu beantworten ist, was abgeleitet wird von der Gottebenbildlichkeit aller Menschen (S. 82).

Konkret angesprochen wird die Frage, wie es nach dem Tod weitergeht. Die Antwort S. 113: „Was ist eigentlich nach dem Tod?“ „Das weiß natürlich niemand.“ (S. 113) , ist für meinen Geschmack aber doch zu weit weg von traditionellen und biblischen Aussagen, auch eine Hölle als Ort, wo der Teufel ist und Menschen nach dem Tod gequält werden und für ihre Sünden büßen müssen, gibt es nach Meinung des Verfassers nicht. Gut existentialistisch sind die Hölle für ihn die anderen. Gut neutestamentlich und reformatorisch ist das in dieser – ohne es deutlich genug zu markieren – stark subjektiv gefärbten Form der Darstellung sicher nicht.

Besonders hervorzuheben ist die altersgerechte und ansprechende Gestaltung (vgl. ku-mittendrin.de/mittendrinOnlinewerbung.pdf), auch mit Hilfe von vielen Konfi-O-Tönen. Von diesem Lob ist leider die Titelseite auszuschließen. Der durch die Schrift eher kindlich wirkende Slogan „mitten drin“ macht wenig Lust, hier dabei zu sein, die Jugendlichen auf der Titelseite sehen zwar sympathisch aus, lassen einen aber nicht ahnen, dass es hier um Konfirmation, Gott, Glaube, Kirche oder Gemeinde gehen soll. Dies handhaben auch andere Konfi-Werke so. Schade – wäre Kirche tatsächlich wie den Konfis immer erzählt wird eine attraktive Gemeinschaft, müsste sie sich m. E. auf Titelbildern nicht so unsichtbar machen.

Manchmal wird man im Konfi-Buch auf einen Anhang verwiesen, den man dann hinten im Buch vergeblich sucht. Hier müsste deutlicher gesagt werden, dass dies zusätzliche Online-Materialien sind, die sich nach schnellem Anmeldevorgang als durchaus sehr ergiebig erweisen.

Das didaktische Begleitbuch verspricht einfache und schnelle Unterrichtsvorbereitung dank fertiger Kopiervorlagen und einfacher Gestaltungsvorschläge. Oft sind mir die einzelnen Schritte allerdings zu knapp und stichwortartig angedeutet. Wer sich aus Zeitmangel an diesen Vorschlägen entlang vorbereitet, wird wohl doch einen buch- und keinen prozess- und erlebnisorientieren Konfi machen, wie sich das Jörg M. Reich eigentlich zu wünschen scheint.

Trotz aller Kritik im Einzelnen: Das Werk wird und soll dank seiner guten Gestaltung, Lebensnähe und inhaltlichen Fundierung seine Anhänger finden, sicher nicht nur in der Pfarrerschaft, sondern auch bei den Konfis selbst.

Thomas Ebinger

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