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Karlo Meyer, Wie die Konfis zur Kirche kommen

Karlo Meyer, Wie die Konfis zur Kirche kommen, Fragen, Erfahrungen, Konzepte, Göttingen 2012, 144 S., 19,99 Euro

Neu ist diese Erkenntnis nicht: Konfis finden unsere Gottesdienste langweilig und nicht jugendgerecht. Kein Wunder, dass man sie nach der Konfirmation nur noch selten bis gar nicht mehr in der Kirche sieht. Mehr oder weniger halbherzig versuchen wir, durch Beteiligung von Konfirmandinnen und Konfirmanden im Gottesdienst (durch Schriftlesung, Kollekte sammeln u. ä.) ihnen den Gottesdienst näher zu bringen. Mit zweifelhaftem Erfolg. Oder wir verdrängen die Frage, ob sich Konfis im Gottesdienst wohl fühlen oder warum nicht. Karlo Meyer sagt uns in seinem Buch nichts Neues: Wir teilen seine Erfahrungen. Aber er hält den Finger in die Wunde! Ausführlich hat er sich dem Thema Beziehung der Konfis zum Gottesdienst beschäftigt, dabei eine eigene Studie angelegt mit über 800 Fragebögen und über 40 Interviews. Auf spannende und charmante Weise stellt er uns in seinem Büchlein die Ergebnisse seiner Befragung vor – wie gesagt nichts Neues, wir kennen die Ergebnisse aus eigener Anschauung, aber das Büchlein hilft, nicht wegzusehen, sondern sich wieder einmal neu und ernsthaft die Frage zu stellen: Wie halte ich es mit Konfis und Gottesdienst?

Interessant wird es, wenn Karlo Meyer seine Praxismethoden vorschlägt, um eine engere Bindung der Konfis zum Gottesdienst zu schaffen, der ihnen per se fremd ist. Ausgehend von seinem Erlebnis, für ihn fremdartige Gottesdienste in einem Hindu-Tempel zu besuchen, entwickelt Meyer folgenden Ansatz: Die Kirche bzw. der Gottesdienstraum soll den Konfis durch Verfremdung ans Herz gelegt werden. Eine der vielen spannenden und kreativen Vorschläge: eine Übernachtung im Altarraum der Kirche, in Schlafsäcken um den Altar im Kreis angeordnet. Konfis verlieren nach und nach die Scheu zu ihrem Kirchenraum – sie dürfen eigene Texte verfassen und diese an Plätzen in der Kirche vor der Gruppe vortragen, so dass die Kirche durch diese Erfahrungen immer mehr zu „ihrer“ Kirche wird und die Fremdheit schwindet. Ein weiterer Vorschlag ist u. a. die „echte“ Beteiligung der Konfis am sonntäglichen Gottesdienst (z. B. durch Rollenspiele). 

Während der erste Teil des Buches das eigene Unbehagen verstärkt, weil so deutlich vorgeführt wird, wie fremd der Gottesdienst für Konfis ist, macht der zweite Teil Lust umso mehr Lust, selbst durch kreative Ideen daran zu arbeiten, dass Kirchenraum und Gottesdienst den Konfis vertraut werden.

Schuldekan Gunnar Kuderer

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