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Hans-Ulrich Keßler, Burkhardt Nolte. Das Holk-Projekt.

Hans-Ulrich Keßler, Burkhardt Nolte:Im Himmel und auf Erden. Das Holk-Projekt. Konfikurs (6.95 €) und Handbuch zum Konfikurs (mit DVD 24,95 €), Gütersloher Verlagshaus 2006

Wann machen wir mal wieder Holk?“, fragten meine Konfirmanden, nachdem ich den einführenden Film der DVD gezeigt hatte. Holk, das ist der ungewöhnliche Name für einen ungewöhnlichen Engel, der gewöhnliche Jugendliche, die etwas älter sind als die Konfirmanden, durch ihr Leben begleitet.

Zu fünf Jugendlichen, die in Beziehung zueinander stehen, gibt es jeweils zwei kurze Filmszenen, die in einen detailliert beschriebenen Unterrichtsprozess eingebettet sind. Bearbeitet werden die Themen „Immer nur sich selbst sehen“ (Sünde), „Geld oder Liebe“ (Werte), Liebe, Trost, Hoffnung, die Welt mit den Augen des Opfers sehen (Nächstenliebe).

Holk ist ein echtes Projekt, das man sich vornehmen muss und das Zeit braucht – in zweifacher Hinsicht: Einserseits braucht es Zeit, um sich in die beschriebenen Personen hineinzudenken, genauso wie in die ausführlichen Verlaufspläne, die man immer an die eigenen Bedingungen anpassen muss. Andererseits braucht es Zeit bei der Durchführung. Auch wenn sich manches in einen Mittwochnachmittag hineinpressen lässt – zur Wirkung kommen die Bausteine erst, wenn man sich und den Konfirmanden Zeit lässt für alle Schritte.

Am besten gelingt das an Konfisamstagen oder auf der Konfifreizeit, wenn man weitere Mitarbeiter einbeziehen kann. Holk ist dabei als Ergänzung, nicht als Ersatz für eine ansonsten klassische Konfirmandenarbeit gedacht.„Holk“ ist in allen Schritten ein gut durchdachtes und offensichtlich mehrfach ausprobiertes Projekt des Autorenteams Nolte/Keßler, das mit „Konfis auf Gottsuche“ bereits ein theologisch und methodisch tiefschürfendes Werk zur Konfirmandenarbeit veröffentlicht hat.

Auch diesmal kommt im Handbuch die theologische Auseinandersetzung nicht zu kurz. Sätze wie „Gotteswerk und Menschenwerk verhalten sich in Bezug auf den Glauben zueinander wie Witz und Lachen“ sind nicht nur erfrischend, sondern zeigen den Ansatz von Holk: Den Konfirmanden wird am Vorbild echter, im Film auftretender Menschen, gezeigt, welche Rolle Gott – vertreten durch seinen Boten Holk – in ihrem Leben spielen könnte. Dieses „könnte“ wird im ganzen Projekt ernst genommen. Nie hat man den Eindruck, dass einem etwas übergestülpt werden soll. Vielmehr wird den Konfirmandinnen und Konfirmanden mit dem Engel Holk, aus dessen Perspektive die Kamera filmt, eine Brille angeboten, durch die sie das Leben der Modelljugendlichen und auch ihr eigenes Leben betrachten können.

Didaktisch und methodisch arbeitet „Holk“ mit einem dreifachen Wechsel der Perspektive: Zunächst geht es immer darum, das Leben und die Gefühlswelt einer/s anderen Jugendlichen zu verstehen. Im zweiten Schritt kommt Holk ins Spiel und damit die Perspektive Gottes. Und erst im dritten Schritt geht es darum, die gewonnenen Erkenntnisse auf das eigene Leben anzuwenden. Methodisch neu auf dem Markt der Konfirmandenunterrichtsmodelle ist die konsequente Arbeit mit dem Medium Film. Für heutige Jugendliche, die sehr stark visuell geprägt sind, ein beliebtes und vertrautes Medium.

Gut aufbereitet ist das Material: Die Verlaufspläne sind ausführlich und klar; es werden wörtliche Vorschläge für die Impulse der Unterrichtenden gemacht. Die Material-CD enthält alle für die Durchführung notwendigen Vorlagen. Das Buch für die Hand der Konfirmanden ist jugendgerecht aufgemacht und enthält neben dem Material zu den einzelnen Personen des Holk-Projekts auch einige Bibeltexte und klassische Texte der Konfirmandenarbeit. Ob es als einziges Buch für die Konfirmandinnen und Konfirmanden ausreicht, muss jeder selbst entscheiden. Als Zweitbuch ist es für viele Kirchengemeinden wohl zu teuer.

Was mir persönlich an diesem Projekt gefällt: Man spürt, dass es ein Produkt von Jugendlichen für Jugendliche ist. Man sieht den Filmsequenzen den Spaß an, den es gemacht haben muss, die einzelnen Typen so lebensnah und authentisch wie möglich herauszuarbeiten, gerade weil die einzelnen Filmszenen nicht so steril-perfekt sind wie die meisten Hollywood-Streifen, die heute im Kino laufen. Für mich lautet die Antwort auf die Frage „Wann mache ich mal wieder Holk?“ eindeutig: „Bald mal wieder!“

Thomas Ebinger

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