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Konf Wir leben in Beziehungen und Faithbook

Konf Wir leben in Beziehungen. Arbeitshilfe für die Konfirmationsarbeit mit 2 Begleit-DVDs und 103 Karten [Eure Wahl!], Theologischer Verlag Zürich 2014, 704 S., 136 Euro

Rundum beeindruckend ist die Arbeitshilfe, die die Reformierte Kirche des Kantons Zürich für die klassische Konfirmandenarbeit entwickelt hat. Sie findet in der Schweiz in der Regel in der 9. Klasse statt. Es ist Teil des des umfassenden Religionspädagogischen Gesamtkonzepts (vgl. rpg-zh.ch), dessen Ausbau in diesem Jahr abgeschlossen sein soll und neben 72 Stunden Konfirmationsunterricht in der 9. Klasse auch Einheiten in der 2.-7. Klasse vorsieht.

Man merkt sofort, dass viele Expert/innen mitgewirkt haben, so vielfältig und durchdacht sind die Bausteine. Es gibt einführende theologische und didaktische Texte sowie längere Zitate aus Fachartikeln, die auch für Ehrenamtliche als Einführung gedacht sind. Das Werk ist gegliedert nach den Kompetenzen und Themenfeldern Identität (Sich selbst finden), Sozialität (In Beziehungen leben), Geschichte und Gegenwart (Seine Wurzeln kennen), Spiritualität (Seinen Glauben feiern), Globalität (Seinen Blick weiten) und Solidarität (Verantwortlich handeln).

Sehr übersichtlich werden mit Zeitbedarf zu Beginn jedes Themenfeldes mögliche Einstiege, die ausführlicher beschriebenen Bausteine sowie mögliche Weiterführungen aufgelistet. In jeweils drei Stufen sind Anspruch und Aufwand angegeben. Zumindest die Bausteine bis Stufe zwei dürften weitgehend auch mit Konfis machbar sein, die in der 7. oder 8. Klasse sind.

Besonders spannend sind die ansprechend gestalteten A5-Wahlkarten, mit denen die Konfis Einfluss nehmen können auf die Auswahl der Bausteine. Und selbst wählen dürfen Konfis immer noch viel zu wenig. Auswählen muss man ohnehin, denn das Werk umfasst eine solche Fülle an Material, dass man dankbar ist für die fünf Musterplanungen für verschiedene Organisationsformen, die im Anhang enthalten sind.

Hervorragend umgesetzt sind die zwei Material-DVDs, die neben Bildern und Arbeitsblättern auch Audio- und Video-Dateien enthalten, sodass man sich den Gang zur Mediathek spart. Ganz offensichtlich haben sich die Autor/innen von vorhandenem Material anregen lassen, so werden etwa aus den Jenseits-Kisten aus „Konfis auf Gottsuche“ Jenseits-Boxen, der Hinweis auf die Quelle ist gut versteckt auf einem Materialblatt. Was fehlt sind anregende Bilder aus der Erprobung der Bausteine.

Als Leitbild dient die Identitätsfindung durch das Leben in Beziehungen. Der gewählte Einstieg bei der Selbstfindung birgt allerdings aus meiner Sicht auch Gefahren. Er suggeriert ein wenig, dass alle Probleme lösbar sind, wenn ich mich erst einmal selbst gefunden habe. Theologisch ist das Werk eher als offen, liberal und volkskirchenorientiert zu beschreiben.

Schön ist, dass viele lebensweltliche Themen der Konfis aufgegriffen werden, auch neue Themen wie Inklusion, Handyproduktion etc.

Sehr empfehlenswert ist die Methodenübersicht am Anfang mit 22 Kurzanleitungen. Reformiert-kirchliche Themen kommen vor, aber nur so knappt, dass sie hierzulande nicht stören dürften oder leicht ersetzbar sind.

Insgesamt ein mit Schweizer Gründlichkeit erstelltes rundum empfehlenswertes Werk, dem man auch in Deutschland Verbreitung wünscht.

 

Faithbook. Inspirationen zum Glauben, Begleitbuch für die Jugendlichen, Theologischer Verlag Zürich 2014, 80 S., 16,50 Euro

Das Begleitbuch trägt einen Titel, der an Facebook erinnert und ein flippiges Inneres erwarten lässt, doch schon die Titelgrafik zeigt: So schlimm wird es nicht, es geht um Individuen und Beziehungen. Auf der Rückseite ahnt man eine Anspielung auf die Gemeinschaft der Christ/innen um ihre Mitte Gott herum.

Das Buch ist ansprechend, aber eher konservativ gestaltet, es folgt dem Aufbau der Konf-Arbeitshilfe. Es enthält relativ viele anspruchsvolle Gedichttexte, die zum Nachdenken anregen aber vielleicht auch die Assoziation an schulische Gedichtinterpretationen auslösen. Kunstbilder, Schwarz-Weiß-Comics und Fotos von Jugendlichen wechseln sich ab und ergeben insgesamt ein stimmiges Bild. Immer wieder gibt es Nachdenkpfeile, die auch als Unterrichtsimpulse denkbar sind.

Gefallen hat mir die Lösung, Videos als QR-Codes einzubinden. Sie führen auf eine öffentlich einsehbare Internetseite (www.faithbook-ref.ch), wo dann in der Regel Youtube-Videos erscheinen, leider sind aus rechtlichen Gründen nicht alle in Deutschland abrufbar.

Auffällig ist der Akzent auf ein auch weibliches Gottesbild: „Wenn es Gott gibt, ist sie …“ (S. 37) sowie ein Gedicht mit dem Titel „Du göttliche Mutter“. Aus lutherischer Sicht stört an dem reformierten Werk wenig, die zehn Gebote sind gar nicht abgedruckt, so dass es keine Probleme mit der Zählung gibt.

Man merkt, dass die Konfirmation in der Schweiz in der 9. Klasse stattfindet. Viele Texte und Bilder sind ziemlich anspruchsvoll und dürften die durchschnittliche deutsche Konfi-Gruppe überfordern. Dennoch gibt es sicher Gruppen, denen man das zutrauen kann. Als kleines Schmankerl hat man dann die schöne Schweizer Rechtschreibung, bei der Christus „keine Füsse hat, nur unsere Füsse, um Menschen auf seinen Weg zu führen.“ Und der Preis erinnert ein wenig an Schweizer Schokoloade …

Thomas Ebinger

 

 

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