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Rebecca Lenz, kreuzundquer mit Handicap

Rebecca Lenz: kreuzundquer mit Handicap: Ein Konfirmandenkurs gemeinsam mit geistig behinderten Jugendlichen. Hg. von Andreas Brummer / Martin 

Rothgangel. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2011. ISBN 978-3-525-61505-8; 128 Seiten; 24,95 €.

Die Arbeitshilfe bietet anregende Unterrichtsideen für Jugendliche mit dem Förder-bedarf geistige Entwicklung, die in der Konfirmandenarbeit im Kontext der Sonder-schule entwickelt und erprobt wurden. Im einführenden Kapitel werden mit zahlrei-chen „Tipps und Anregungen“ Erfahrungen aus konkreten Unterrichtssituationen im Kirchenraum bzw. Gemeindehaus weitergegeben. Die ca. 40 Unterrichtseinheiten zu fast allen klassischen Konfirmandenthemen sind fantasiereich, praxisnah und übersichtlich aufbereitet. Sie folgen dem didaktischen Dreischritt nach Peter Biehl: wahrnehmen (A), deuten (B) und gestalten (C). Diese drei Unterrichtsschritte werden im Text jeweils mit Piktogrammen kenntlich gemacht und sind in behutsame Wiederholungen und Rituale eingebunden, die den besonderen Bedürfnissen von Jugendlichen mit geistigem Entwicklungsbedarf entsprechen. Das wiederkehrende Eingangsritual legt den Schwerpunkt auf das Wahrnehmen und das Entdecken. Immer wieder decken die Jugendlichen zu Beginn der Stunde ihren Konfi-Altar und suchen einen Namen für das, was sie (wieder-) gefunden haben, befühlen und beschnuppern es. In der zweiten Phase liegt der Fokus auf dem Deuten und ganzheitlichen Erleben von Geschichten nach der Kett-Methode (RPP), mit biblischen Erzählfiguren oder Zugängen mit Bildern, Musik und den Perlen des Glaubens. In der dritten Phase wird der Unterrichtsinhalt von den Jugendlichen durch das kreative Gestalten mit diversen Materialien bearbeitet. Jede Einheit wird in der Arbeitshilfe in einer elementarisierten Tabelle übersichtlich dargestellt und enthält einen Materialteil mit vielen hilfreichen schwarz-weißen Kopiervorlagen sowie Erzählvorschlägen in leichter Sprache. Bei diesem primär subjektorientierten Zugang über Bild, Symboldidaktik und Kirchen-raumpädagogik kommen im Blick auf  Jugendliche mit einem geistigen und schwer mehrfachen Förderbedarf die basalen handlungsorientierten Aneignungsformen jedoch zu kurz. Mit basalen Lernformen sind Angebote gemeint, die neben dem Rie-chen, Schmecken und Tasten auch somatisch, vibratorisch und vestibulär Zugänge einschließen,  die neben der schriftlichen Konfimappe auch in haptischer Form in einer Konfi-Kiste dokumentiert werden können. 

„kreuzundquer mit Handicap“ spiegelt den separierten Konfirmandenunterricht von Jugendlichen mit Handicaps wider und versucht dennoch die Brücke zur inklusiven Konfirmandenarbeit zu schlagen. Dies gelingt in dieser Arbeitshilfe nur teilweise, denn das Denken bewegt sich noch in der dichotomen Form der Zwei-Gruppen-Theorie, die zwischen „unseren Jugendlichen“ und den „normalen Jugendlichen“ unterscheidet. Das inklusive Konzept einer Pädagogik der Vielfalt ist konzeptionell nicht realisiert. Der Untertitel „gemeinsam mit geistig behinderten Jugendlichen“ ist darum irreführend. Dennoch kann diese Arbeitshilfe für den inklusiven Konfirmandenunterricht ergänzend und gewinnbringend herangezogen werden. Sie bietet didaktische Grundlagen und vielfältige methodische Praxisideen, die den besonderen Bedürfnissen von Jugendlichen mit geistiger Behinderung entsprechen und in der inklusiven Gruppe bei entsprechender Binnendifferenzierung allen gerecht werden. Dazu bieten die durchgängigen Abschnitte unter der Überschrift „inklusiv“ viele anregende Hinweise. Insgesamt eine kostbare, unverzichtbare Unterrichtshilfe für den Konfirmandenunterricht an Schulen mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung und ein wichtiger, gewinnbringender Brückenstein auf dem Weg zu einer inklusiven Konfirmanden-arbeit.

Dr. Wolfhard Schweiker, Pädagogisch-Theologisches Zentrum Stuttgart

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