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Religionspädagogischer Kommentar zur Bibel

Bernhard Dressler, Harald Schroeter-Wittke (Hg.), Evangelische Verlagsanstalt Leipzig 2012, 68 Euro, 664 Seiten

Meines Wissens ist dieses monumentale Werk, erschienen als Festschrift für Dietrich Zilleßen, der erste Versuch dieser Art. Für jedes biblische Buch einschließlich der Apokryphen und einige Gattungen wie Torah oder Evangelien werden Erschließungsvorschläge gemacht und Kontexte benannt, die es erlauben, den garstigen historischen Graben mutig und kreativ zu überspringen. Ein ehrgeiziges Unterfangen, das mehr als gelungen ist.

Das Werk ist ideal für die Vorbereitung auf die gemeinsame Lektüre eines biblischen Buches, etwa eines Evangeliums mit den Konfirmanden, aber auch für die intensive Predigtvorbereitung oder die Erarbeitung eines Anspiels zu einem biblischen Text. Es ist genial und inspirierend, was hier auf 664 Seiten versammelt ist: Namhafte Autor/innen sind genauso vertreten wie Praktiker/innen, das Buch Rut wird gar aus muslimischer Perspektive gelesen. Die offenen Vorgaben der Herausgeber lassen Raum für zahlreiche inspirierende bibelhermeneutische Exkurse, etwa die Frage nach Gewalt in der Bibel im Auftrag Gottes (Elisabeth Naurath, S. 115ff), nach dem Verhältnis von Historie und Fiktion in den Erzählungen des Johannesevangeliums (Martin Kumlehn, S. 476f). Der Römerbrief wird nicht nur wie üblich als großen theologischen Wurf, sondern ganz banal als Schnorrbrief (Stefan Alkier, 513f) gelesen. Der ungewöhnliche Blick, der in den Haustafeln etwa im Epheserbrief auf die nachwachsende Generation geworfen wird, führt zu Überlegungen zum heutigen Verhältnis der Generationen (Friedrich Schweitzer, 553ff). Immer wieder finden sich nachahmenswerte Impulse aus der Praxis des Bibliodramas, etwa im wunderbaren Beitrag von Gerhard Marcel Martin zu den Apokryphen.

Ein Buch, das seinen zugegebenermaßen happigen Preis wert ist und dabei hilft, das Buch der Bücher noch stärker als bisher religionspädagogisch fruchtbar werden zu lassen.

Thomas Ebinger

 

 

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