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Siegfried Macht, Musik als Schlüssel des Glaubens

Siegfried Macht, Musik als Schlüssel des Glaubens. Praxisbausteine nicht nur für die Konfirmandenarbeit, Lied- und Werkeinführungen zu Kernthemen christlicher Überlieferung, Strube Verlag München 2013, 98 S. mit CD, 21 Euro.

 

Traditionelle Choräle und erst recht klassische Kirchenmusik haben es in der Konfirmandenarbeit nicht leicht. Obwohl viele Verantwortliche und Gemeindeglieder diese Musik lieben, traut man sich nicht, Konfi-Gruppen damit zu belästigen. Damit würde man doch nur ein traditionelles Bild von Kirche und Gemeinde verstärken, das Konfis ohnehin wie durch ein Brennglas wahrzunehmen scheinen, während sich ihr Leben anderswo abspielt, ihre Musik und Kultur eine andere ist.

Siegfried Macht wagt hier einen radikalen Gegenentwurf und stellt die Höhepunkte protestantischer Kirchenmusik als Schlüssel zu den Kernthemen des Glaubens vor. Insgesamt 33 Bausteine von Schöpfung über Vater unser, Credo, Taufe, Abendmahl bis hin zu Pfingsten und gerappten Konfirmationssprüchen beschreiben einen großen Bogen. Nach einer fachlichen Einleitung folgt fast immer ein konkret die Arbeitsaufträge beschreibendes Arbeitsblatt, das die Durchführung erleichtert.

Die Bausteine sind sicher nichts für jeden. Man muss selbst begeistert sein von klassischer Kirchenmusik und andere begeistern können, auch das musikalische Handwerkszeug sollte man beherrschen, sonst wird man sicherlich scheitern. Außer für die zahlreichen derart versierten Pfarrer/innen ist das Werk besonders für Kirchenmusiker/innen empfehlenswert, die phasenweise in die Konfirmandenarbeit einbezogen werden können und hier pädagogisch qualifiziertes und gut aufbereitetes Material an die Hand bekommen.

Besonders gefallen hat mir der Baustein „Mein Engel“ zu Felix Mendssohn Bartholdys Vertonung von Ps. 91, einem der beliebtesten Taufsprüche. Hier wird ein Klassiker tatsächlich in die heutige Lebenswelt hineinkatapultiert. Andere Bausteine sind dagegen eher für Gruppen interessant, die schon einen gewissen Zugang zu klassischer Musik haben. Nicht für alle wird es gleich spannend sein, die Tropierung eines Kyrie selbst auszuprobieren und sich dafür in das 9. Jahrhundert zurückzuversetzen oder Akrostichen zu entschlüsseln, die längst verstorbenen Herrschern gewidmet sind. Auch bei den Glaubensthemen scheint mir der Weg über alte Choräle ein zwar reizvoller, aber auch etwas beschwerlicher Umweg in Zeiten, wo der Glaubensschatz viel von seiner früheren Selbst-Verständlichkeit verloren hat. Aber ein Versuch ist es allemal wert.

Die beiliegende CD bietet zwei Originalwerke und neun mit Synthesizer eingespielte Playbacks, die für die Durchführung der Bausteine notwendig sind. Empfehlenswert ist hier allerdings, auf die angegebenen kostenlosen Internetquellen auszuweichen oder sich eine vernünftige Aufnahme zu besorgen.

Alles in allem bietet das Werk gute Ansätze, den Glaubensschatz der Kirchenmusik für die Konfirmandenarbeit und Religionspädagogik zu erschließen, auch wenn hier und da ordentlich pädagogisches Öl nötig sein wird, damit die rostigen Schlösser zu altehrwürdigen Glaubensschätzen nicht unnötig quietschen und wertvolle Kirchenmusik auch noch im 21. Jahrhundert die Herzen der Jung-Gläubigen erwärmt. Sehr zu empfehlen sind auf jeden Fall die Fortbildungen mit dem Autor zu diesem Werk, die an verschiedenen Orten angeboten werden, vgl. siegfriedmacht.de .

 

Thomas Ebinger

 

 

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