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Sönke von Stemm (Hg.): Inklusive Konfirmandenarbeit

Sönke von Stemm (Hg.): Inklusive Konfirmandenarbeit: Chancen und Grenzen – Modelle – Bausteine. Loccumer Impulse 2: Religionspädagogisches Institut Loccum 2011. ISBN 978-3-936420-40-1; 154 Seiten mit CD-ROM.

Inklusive Konfirmandenarbeit kann nur gemeinsam und im Team realisiert werden. Dafür steht dieser Sammelband. Dreizehn Autorinnen und Autoren des „Netzwerks Inklusive Konfirmandenarbeit“ aus Kirchengemeinden, Kirchenkreis, Diakonie und Förderschulen bieten dreißig „Puzzleteile“ auf dem Weg zu einer Konfirmanden-arbeit für alle. Dies ist allein nicht zu schaffen, darum diese vorbildliche Gemeinschaftsarbeit!

Mit seinen fünf Kapiteln steht der umfangreiche, bunte Sammelband für die Hand der Unterrichtenden exemplarisch für das Vielfaltskonzept (Diversity) von Inklusion. Im ersten Kapitel werden grundsätzliche Überlegungen zur inklusiven Konfirmandenarbeit angestellt, ohne jedoch das Konzept von Inklusion, z.B. im Unterschied zur Integration, oder Prinzipien einer inklusiven Pädagogik näher auszuführen. Im Folgenden finden sich darum auch diverse Bausteine aus unterschiedlichen Kontexten (Ortsgemeinde, Schwerpunktgemeinde, Förderschule). Diese Praxisideen sind nicht alle „inklusiv“, aber sie zeigen die engagierte Bemühung, sich aufeinander zuzubewegen und dort anzukommen. Es wird ausgeführt, wie inklusive Arbeit gelingen kann, z.B. durch Elementarisierung, bewegter Unterricht mit allen Sinnen, Rhythmisierung und Symboldidaktik. Sehr hilfreich sind die beiden Beiträge zum Förderschwerpunkt Sehen und insbe-sondere Hören. 

Das zweite Kapitel stellt in vier Praxisberichten Modelle der „inklusiven“ Konfir-mandenarbeit vor, die jedoch in keinem Überblick systematisiert dargestellt werden.  Dabei werden aus unterschiedlichen Perspektiven (Förderschullehrerin, Kirchen-kreisbeauftragte, Sozialpädagogik, Mutter) einleuchtende Entwicklungsprozesse, wichtige Erfahrungen und zukünftige Vorhaben praxisnah beschrieben. 

Die zehn Unterrichtsbausteine zu unterschiedlichen Themen im dritten Kapitel bieten eine Fülle von erprobten, fantasiereichen Ideen mit Materialbausteinen, die sich auch in der beigelegten CD-ROM in pdf-Dokumenten wiederfinden. Sie zeichnen sich durch leichte Sprache, Elementarisierung und Ganzheitlichkeit aus, gehen immer wieder auf die besonderen Bedürfnisse von Jugendlichen mit Behinderung ein, berücksichtigen aber erst in Ansätzen die inklusionsdidaktischen Prinzipien der Individualisierung, Binnendifferenzierung und des kooperativen Lernens. Der ein oder andere Baustein geht kaum oder gar nicht auf die besondere inklusive Situation ein, wie z.B. die Einheit zur „Heilung des Gelähmten“, in dem die spezifische Herausforderung, mit behinderten Jugendlichen Heilungsgeschichten und diakonisches Handeln zu behandeln, nicht thematisiert wird. Sehr instruktiv wird aber im ersten Baustein ausgeführt, wie die Gruppenprozesse am Anfang des Konfirmandenjahres inklusiv gestaltet werden können oder im zweiten Baustein, wie sich die Jugendlichen durch Selbsterfahrungsübungen für das Leben mit unterschiedlichen Formen der Behinderung sensibilisieren können. In übersichtlicher Form bieten diese Bausteine unterschiedliche Methoden, wie Erzählungen mit Legematerialien, Rollenspiele, ein Wasserparcours zur Taufe, musische oder kreative Gestaltungsformen (z.B. Himmelskisten/ Ostergarten), bibliodramatische Zugänge oder die Arbeit mit den Perlen des Glaubens, das „Miteinander der Verschiedenen“ sinnvoll fördern und ermöglichen können. 

Wie sich Gottesdienste gemeinsam gestalten und feiern lassen, zeigt das dritte Kapitel auf. Mit anschaulichen Beispielen und Regeln in die Kunst der leichten Sprache eingeführt, ein Predigtbeispiel zum Barmherzigen Samariter gegeben, das Schattenspiel als eine inklusive Methode schmackhaft gemacht und eine bilinguale Symbolpredigt (Stein/ Muschel) zur Konfirmation in Laut- und Gebärdensprache präsentiert.

Besonders empfehlenswert sind im letzten Kapitel die vielfältigen Hilfen, wie Teilhabe gefördert werden kann. Es wird ausführlich auf die „Unterstützte Kommunikation“ eingegangen, also wie durch Visualisierung mit Gegenständen, Fotos, Piktogrammen, Gebärden oder Kommunikationstafeln Verständigung erleichtert werden kann oder welche Hilfsmittel (Sprachausgabegeräte, Talker etc.) eingesetzt werden können. Dazu werden hilfreiche Adressen und Links geboten. Neben den kurzen Beiträgen zu Schattenspiel, Legebildern und Tipps zu Musik- und Liedeinsatz wird abschließend betont, welche personelle Ausstattung eine inklusive Konfirmandenarbeit braucht und wo zusätzliche Ressourcen erschlossen werden können. Zu externen Finanzmitteln unterschiedlicher Kostenträger, wie Pflegeversicherung oder „persönliches Budget“ der Jugendlichen mit Behinderung, stellt die Ev.-luth. Landeskirche Hannover zusätzliche Mittel zur Verfügung. Dies ist vorbildlich und sollte von weiteren Landeskirchen nachgeahmt werden! Darüber hinaus haben sich die Berater/innen für die Konfirmandenarbeit in den Kirchenkreisen inklusionspädagogisch fort- und weitergebildet. Es besteht ein Netzwerk inklusive Konfirmandenarbeit, das im letzten Beitrag vorgestellt und mit einer Check- sowie Literaturliste zur inklusiven Arbeit abgeschlossen wird.

Der Sammelband bietet den Benutzern eine Vielzahl hilfreicher Puzzelteile, die nach Bedarf in die eigene Praxis eingefügt werden können und auf dem Weg zur inklusiven Konfirmandenarbeit ein sinnvolles Ganzes ergeben. Sehr empfehlenswert für alle, die inklusive Konfirmandenarbeit konzipieren, unterstützen und durchführen. Es gibt aktuell keine bessere Arbeitshilfe!

Dr. Wolfhard Schweiker, Pädagogisch-Theologisches Zentrum Stuttgart 

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