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Stephan Lange, Begründet glauben

Stephan Lange, Begründet glauben. Denkangebote für Skeptiker und Glaubende, Neukirchener Verlag, Neukirchen 2017, 190 S., 9,99 Euro

Lebendiger Glaube und kritisches Denken gehören für den Autor unbedingt zusammen. Sein erklärtes Ziel ist es, sowohl Glaubende als auch Skeptiker ergebnisoffen ins Nachdenken über das eigene Weltbild zu bringen, um so zu einer eigenen und begründeten Glaubensüberzeugung zu finden. In insgesamt 8 Kapiteln setzt er sich mit gängigen skeptischen Anfragen an die Glaubwürdigkeit des christlichen Glaubens auseinander.

Grundlegend klärt Stephan Lange im ersten Kapitel, dass die moderne Wissenschaft in vielen Bereichen mit vernünftigen, widerspruchsfreien Thesen arbeitet, die zugleich aber nicht experimentell nachweisbar sind. Stets im Gespräch mit kritischen und glaubenden Stimmen aus Physik- und Geschichtswissenschaften bietet er nicht nur vernünftige Gründe für die Existenz Gottes (Kapitel 2), sondern auch gute Argumente, der Offenbarung Gottes in Jesus Christus ein besonderes Augenmerk zu schenken (Kapitel 3). In Kapitel 4 nimmt er den historischen Jesus und die Glaubwürdigkeit der biblischen Zeugnisse zu Leben, Sterben und Auferstehen Jesu unter die vernunftkritische Lupe (Kapitel 4 und 5). Im 6. Kapitel lädt Lange ein, im Vertrauen auf Gottes Zusage sich vom Suchenden finden zu lassen, den Glauben im Selbsttest mittels Bibellese und Gebet zu erproben. Der Frage nach der Vereinbarkeit von Gottes Existenz und dem Leid in der Welt widmet er Kapitel 7, bevor im letzten Kapitel die Einladung zum Dialog über eine Webseite des Autors erfolgt.

Die anspruchsvollen Diskussionen dürften m. E. für Konfirmandinnen und Konfirmanden und Jugendliche wie auch für völlig kirchenferne Menschen herausfordernd sein. Die Sprache des Autors ist jedoch gut verständlich. Um die komplexen Sachverhalte begreiflich zu machen, sind immer wieder anschauliche Beispielgeschichten eingeflochten. Für Mitarbeitende der Jugend- und Konfirmandenarbeit kann die Lektüre eine echte Bereicherung sein: Sie ermuntert dazu, die manchmal beißenden und provozierenden Fragen willkommen zu heißen. Das Buch bietet fundierte und durchdachte Argumente für den christlichen Glauben und mag helfen, im kritischen oder glaubenden Gegenüber keinen Gegner, sondern einen wertvollen Gesprächspartner zu entdecken.

Besonders gefallen hat mir die grundlegende Klärung gleich zu Beginn, dass für lebendigen Glauben das verstandesmäßige „Für-wahr-halten-Können“ christlicher Aussagen nur der Anfang sei. Auch ein bestimmtes christliches Verhalten sei nur Ausdruck, nicht aber das Wesen des Glaubens. Kern des christlichen Glaubens bilde die persönliche Beziehung zu Gott. Da sich aber Beziehungen nur auf Vertrauen gründen und ohne Zwänge bestehen können, wird Gott niemals notwendig zwingende Gründe für seine Existenz liefern.

In einer sonst sehr gelungenen Argumentationshilfe stellt das Kapitel 7 zur Frage nach dem Leid einen kleinen Ausreißer dar. Das menschliche Leiden wird hier für die göttliche Rettung des erlösungsbedürftigen Menschen instrumentalisiert. In meinem seelsorglich sensiblen Herzen regt sich hier massiver Widerstand. Da kann auch die anschließende Relativierung durch die Erklärung des deus absconditus nicht mehr viel retten.

Sandra Alisch

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