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Stephan Sigg: Spirituelle Schreibwerkstatt mit jungen Menschen

Stephan Sigg: Spirituelle Schreibwerkstatt mit jungen Menschen. Anleitung und Beispiele, Herder 2014, 160 Seiten, 14,99 Euro

Das Buch Spirituelle Schreibwerkstatt gibt Impulse, wie man junge Menschen zum Formulieren geistlicher Texte anleitet. Das Buch gliedert sich in zwei große Abschnitte. Im ersten geht es um das eigene Kommunikations- und Schreibverhalten. Dabei wird auf zentrale Regeln der Kommunikation genauso wie auf das konkrete Führen eines Gespräches mit Jugendlichen eingegangen. Da es nicht nur um das Schreiben eigener Texte gehen soll, sondern auch um die Bearbeitung vorliegender Texte, bietet der Autor einige Hilfestellungen zum Auffinden passender Texte und dem angemessenen Umgang mit denselben. Auch zum packenden und lebendigen Vortrag von Texten, zum Beispiel anhand der Methode des Storytellings, gibt der Autor Hilfestellung.

Der zweite Teil befasst sich mit den Jugendlichen, die Jugendlichen, die zum Sprechen und Schreiben animiert werden sollen. In den 16 Abschnitten zu diesem Thema geht es schwerpunktmäßig um die Vermittlung von Methoden für Gruppengespräche und das Schreiben von Texten. Auch die Rahmenbedingungen, die Vorbereitung und Durchführung einer Schreibwerkstatt wird eingehend erklärt.

Der Verfasser geht auf die hermeneutischen Voraussetzungen und Probleme heutiger Jugendlicher mit geistlicher Sprache und entsprechenden Texten ein. Durch niederschwellige und oft spielerische Methoden soll der Umgang mit fremden Texten und das Verfassen eigener geistlicher Texte gefördert werden. Dabei wird auch die heutige Mediennutzung Jugendlicher berücksichtigt und immer wieder mit einbezogen, wenn es zum Beispiel darum geht, Inhalte in Form von SMS oder einem Whatsapp-Eintrag zu formulieren.

Das Buch ist klar und übersichtlich strukturiert. Es richtet sich sowohl an den Religionsunterricht wie auch an die Arbeit mit Konfirmanden oder Firmlingen und an andere Bereiche der Jugendarbeit. Durch seinen ökumenischen Charakter geht es weniger auf die speziellen Voraussetzungen des Konfirmandenunterrichtes als vielmehr auf die generelle Arbeit mit Jugendlichen ein. Offen bleibt dabei die Frage, wie man mit inhomogenen Gruppen umgehen soll, die sich wie im Konfirmandenunterricht aus Schülern verschiedener Schularten zusammensetzen.

Beim Lesen haben mich vor allem die methodischen Zugänge im Bereich des Sprechens und Schreibens von Texten angesprochen. Auf der inhaltlichen Ebene blieb mir dabei allerdings vieles zu offen und oberflächlich. Gerade die im ersten Abschnitt vorgestellten Beispieltexte, wie der Liedtext Guter Mensch auf Seite 31, blieben für sich stehen. Hier hätte ich mir eine anschauliche Erklärung zum Umgang mit solchen Texten gewünscht. Auch wären Anregungen zur Verbindung der Texte mit christlich-biblischen Inhalten hilfreich. Gut und beachtenswert fand ich den Beginn des zweiten Abschnitts, wo auf zwei Seiten auf die Frage eingegangen wird, warum man Jugendlichen überhaupt eine spirituelle Sprache beibringen soll. „Gerade der Religionsunterricht, die Jugendgruppe und der Gottesdienst sind für viele junge Menschen heute oft der einzige Ort, wo sie religiöse Fragen artikulieren können. Wenn Kirche ihnen da keine Unterstützung bietet, leistet es keiner.“ In diesen Sätzen auf Seite 71f. ist das Grundanliegen des Buches gut auf den Punkt gebracht. Der kirchliche Bezug wird im Buch allerdings nicht immer deutlich. Viele der vorgestellten Methoden sind nicht neu und begegnen bereits in der religionspädagogischen Grundausbildung. Seinen Wert hat das Buch vor allem als übersichtliche Ideensammlung zum methodischen Vorgehen. Hat man es einmal ganz gelesen, genügt später ein kurzer Blick hinein, um für  Abwechslung und Vielfalt bei der Textarbeit oder Gesprächsführung im Konfirmandenunterricht zu sorgen. Den größten Nutzen aus diesem Buch haben wohl diejenigen, die selber gerne mit Sprache und Texten arbeiten und dies auch einmal mit Jugendlichen ausprobieren wollen. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Begeisterung auch auf die Jugendlichen überspringt, die vieles aus dem Buch an den Schulunterricht erinnern wird.

Julian Albrecht 

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