Impulse für die Konfi-Arbeit

Abendmahl-Basics in 90 Minuten

Der vorliegende Baustein bietet eine Möglichkeit, in 90 Minuten mit einer Konfigruppe das Abendmahl zu erarbeiten, ohne die Prinzipien einer guten Konfirmandenarbeit (Beteiligung, Handlungsorientierung, Binnendifferenzierung, Gottesdienst- und Kirchenraumbezug) außer Acht zu lassen. Am Ende der 90 Minuten steht eine Abendmahlsfeier.

Ein Baustein von Stefan Kammerer

(Bild: Morgan Wintson7unsplash.com)

Abendmahl ist ein Unterrichtsthema, das oft auf Freizeiten oder an Konfi-Samstagen behandelt wird. Diese Rahmenbedingungen bieten genug Zeit, die der Bedeutung des Themas angemessen und für eine ausführliche und kreative Beschäftigung notwendig ist. Andererseits entfernt ein solcher Rahmen das Abendmahl auch aus dem „normalen“, dem lokalen Konfi-Kontext: der Kirchengemeinde, der Kirche
und dem Gottesdienst, in dem die Konfis in der Regel das Abendmahl besuchen sollen bzw. dürfen.

Es kann daher auch sinnvoll sein, das Abendmahl an einem „normalen“ Mittwochnachmittag einzuführen, um z. B. schon am Anfang der Konfizeit Handlungssicherheit und Lust auf das Mitfeiern hervorzurufen und die Scheu mancher Konfis vor dem Abendmahl im Sonntagsgottesdienst zu reduzieren. Das Abendmahl soll für Konfis normal, schön und selbstverständlich sein, dabei auch würdig und vor allem nicht peinlich.

Der vorliegende Baustein bietet eine Möglichkeit, in 90 Minuten mit einer Konfigruppe das Abendmahl zu erarbeiten, ohne die Prinzipien einer guten Konfirmandenarbeit (Beteiligung, Handlungsorientierung, Binnendifferenzierung, Gottesdienst- und Kirchenraumbezug) außer Acht zu lassen. Am Ende der 90 Minuten steht eine Abendmahlsfeier.

Der Sitz im Leben des Abendmahls ist seine Feier in der Kirche bzw. im Gottesdienst. Dahin gehören auch Kelch und Patene, Einsetzungs- und Spendeworte, Brot und Wein. Was Konfis lernen und kennen sollen, muss plausibel sein. Die Integration der Abendmahlselemente in eine Feier stellt diese Plausibilität her. So wird gleichzeitig verhindert, dass biblische Texte und Vorstellungen – z. B. die Einsetzungsworte – aus ihrem Kontext gerissen werden und nur als tote Memoriertexte im Konfi vorkommen. Im Gegenteil: Das gefeierte Abendmahl ist ein Stück lebendiger Spiritualität im Konfi.

Ergebnis und Ziel dieses kurzen Bausteins ist nicht die revolutionär neue oder andere Gestaltung einer Abendmahlsfeier, sondern der Nachvollzug der Entscheidungen, die jede/r Liturg/in zu treffen hat, wenn im Gottesdienst Abendmahl gefeiert wird: In welcher Form soll ausgeteilt werden? Wie sollen sich die Empfangenden aufstellen? Wie ist das Abendmahl im Gottesdienst eingebettet? Wie wird es eingeleitet?

Die Konzeption des Bausteins stellt die Konfis vor genau diese Gestaltungsaufgabe und zentriert das Geschehen damit auf die klassischen Fragen des Abendmahls. Die einzige Vorentscheidung, die hier getroffen wird, ist der Verzicht darauf, die liturgischen Gesänge und Responsorien der lutherischen Liturgie zu singen und einzuüben.

Der Baustein stellt m. E. eine Minimalform der Beschäftigung mit dem Abendmahl dar. Es spricht nichts dagegen, ihn durch weitere Konfi-Ideen zum Abendmahl zu ergänzen, wie sie in diesem Schwerpunkt enthalten sind.

Der Baustein ist in vier Schritte unterteilt:

  1. Einstimmen – Gesprächsrunde in der Gesamtgruppe: Beobachtungen zum/beim Abendmahl
  2. (Kon)zentrieren – Input mit drei inhaltlichen „Basics“ zum Abendmahl
  3. Gestalten – Kleingruppen formen jeweils eines der „Basics“ in einen Teil einer Abendmahlsfeier um; die einzelnen Teile werden in der Gesamtgruppe in einen Ablauf gebracht.
  4. Feiern – Der erarbeitete Ablauf wird im Kirchenraum vorbereitet. Der Baustein schließt mit der Feier des Heiligen Abendmahls in der Konfi-Gruppe.

Schritt 1: Einstimmen (ca. 10 Min.)

Die Konfigruppe sitzt im Stuhlkreis. Die Mitte kann dazu benutzt werden, ein Gespräch zu beginnen und zu strukturieren

Alles, was in der Mitte liegt, gehört zu einer wichtigen Handlung unserer Kirche.

Im Gespräch wird alles, was die Konfis wissen und beobachtet haben, gesammelt.

Viele von euch haben sicher schon einmal ein Abendmahl im Gottesdienst/Familien-/Kindergottesdienst gesehen oder sogar miterlebt und -gefeiert. Woran erinnert ihr euch dabei?

So werden – auch mit Hilfe der Gegenstände aus der gestalteten Mitte – die wesentlichen Punkte des Abendmahls identifiziert.

Schritt 2: (Kon)Zentrieren (5 Min.)

Das eben Gesammelte aufnehmend oder noch Neues dazulegend reduziert die Gruppenleitung die vielfältigen inhaltlichen Aspekte des Abendmahls auf drei Kernsätze (Basics). Bei manchen Konfigruppen kann man versuchen, die Konfis diese Basics finden zu lassen („Wenn ihr die Bedeutung des Abendmahls in drei Sätze packen müsstet …“); m. E. ist es aber klarer und besser, selbst pointiert zu formulieren:

Was wir im Abendmahl feiern, kann man in drei Sätzen sagen:

1. Jesus Christus ist im Abendmahl dabei.
2. Das Abendmahl ist nicht einfach irgendein Essen:
3. Brot und Wein haben eine Bedeutung. Im Abendmahl sieht man: Wir gehören zusammen.

Es ist ratsam, vor der Konfistunde (auch in der Team-Vorbereitung) konzentriert zu formulieren, was das Substrat ist, das dem Konfi hier inhaltlich zugrunde liegt. M1 bietet hier einen Vorschlag. M. E. ist es jedoch notwendig, dass jede/r, der/die unterrichtet, dies selbst formuliert und dabei das eigene und gemeindliche theologische Profil gebührend berücksichtigt. Deswegen kann und soll M1 gerne um- und neugeschrieben werden. Dafür ist M1 als pdf-Formular beigegeben (s.u.). Dieses Arbeitsblatt soll nicht im Konfi vorgelesen werden, sondern das innerlich präsente „Rückgrat“ des Gesprächs bilden. Wer von den Konfis (und den Eltern) möchte, kann dieses im Ordner nachlesen.

Es dürfen also gern andere als die hier genannten Sätze verwendet werden – die Basics müssen jedoch verständlich ohne theologische Fachausdrücke formuliert und m. E. auch auf die Dreizahl der Aspekte beschränkt werden. Die Anpassung an unterschiedliche Theologien kann z. B. durch Auswahl der Bibeltexte oder die Einbeziehung eines Kruzifixes in die gestaltete Mitte unterstützt werden.

Schritt 3: Gestalten (20 Min.)

Die Konfis bekommen nun den Auftrag, sich zu überlegen, wie die Bedeutung des Abendmahls in einer Abendmahlsfeier zur Geltung gebracht werden kann (vgl. M2): Dabei wird die Konfigruppe entsprechend den drei Basics in drei Kleingruppen aufgeteilt. Jede Gruppe beschäftigt sich mit einem der drei Aspekte und nutzt als Material die Gegenstände in der Mitte und alles, was sie über Abendmahl und Gottesdienst wissen und erfahren haben:

Ihr habt: Traubensaft, Brot, Abendmahlsgeschirr, eine Bibel, ein bisschen kreatives Material, euch selbst – und Gestaltungsfreiheit für das „Allerheiligste“ der Kirche. Ihr plant nämlich eine kleine Abendmahlsfeier, die wir nachher in der Kirche am Altar wirklich „machen“. Und schön soll sie sein, nicht peinlich, eben „konfimäßig“.
Dabei muss klar werden:
– Jesus Christus ist dabei.
– Wir gehören zusammen.
– Brot und Wein haben eine neue Bedeutung.

Wie muss eure Abendmahlsfeier aussehen, sich anfühlen, ablaufen, damit zu spüren ist, was das Abendmahl für euch bedeutet? Wie würdet ihr eure Abendmahlsfeier gestalten? Die drei Aspekte werden auf die Gruppen aufgeteilt. Diese haben jetzt ca. 10 Minuten Zeit, ihre Aufgabe zu lösen. Als Hilfe gibt es dazu ein Blatt mit Tipps, das die Gruppen benutzen dürfen“ (M3)

Nach Ablauf der 10 Minuten stellen die Gruppen ihre Überlegungen vor. Diese werden durch die Leitung direkt auf ein Flipchartblatt geschrieben. Schon beim Schreiben oder nach der letzten Gruppe wird – z. B. mit einem andersfarbigen Stift – eine (liturgische) Reihenfolge hinzugesetzt (Womit beginnen wir? Wäre dies ein gutes Element für den Schluss? …). Ggf. muss manchmal eine Doppelung beseitigt werden. Das meiste ergibt sich hier schon durch die Auswahl der Basics unkompliziert von selbst. Am Ende steht auf dem Blatt die Liturgie der jetzt folgenden Konfi-Abendmahlsfeier.

Schritt 4: Feiern (40 Min.)

Jetzt wird es ernst und spannend – das wird schon durch den Ortswechsel deutlich: Ab jetzt ist Konfi in der Kirche. Die Arbeitsergebnisse der Kleingruppen werden zu einem kleinen Abendmahlsgottesdienst. Alle benötigten Gegenstände sowie das Flipchartblatt mit dem Ablauf wandern mit in die Kirche.

Die Gesamtgruppe sammelt sich um das Flipchartblatt. Elemente und Ablauf werden durch die Leitung noch einmal ganz kurz vorgestellt. Die Kleingruppen aus Schritt 3 bereiten dann in der Kirche das von ihnen Erarbeitete praktisch vor: Der Altar wird gedeckt, der Einzug geprobt, die biblischen Worte werden gelesen, die richtigen Plätze für die einzelnen liturgischen Vorgänge werden aus- und aufgesucht (Beispiele s. u.). Für all das soll genügend Zeit sein, ohne dass die zielgerichtete Straffheit der Einheit aufgehoben wird. Die Leitung muss sehr präsent sein und gut beraten und unterstützen.

Nach ca. 20 Minuten sollte diese Vorbereitung beendet werden. Die Feier des Heiligen Abendmahls
beginnt. Die Erfahrung zeigt: Sie wird für alle Beteiligten eindrücklich sein.

Methodisches

Kurze, konzentrierte Konfi-Einheiten stellen an die Leitung hohe Anforderungen (straffe Führung, Zeitmanagement, klare Impulse, Präsenz bei der Erstellung des Ablaufs auf dem Flipchart, Begleitung bei der Vorbereitung der Feier in der Kirche). Deswegen seien hier einige wenige methodische Nachbemerkungen erlaubt:

  1. Die Zeiten sind bei den ersten drei Schritten eher knapp bemessen, auch mit der Absicht, hier durch einen gewissen Handlungsdruck Längen zu vermeiden und (z.B. in den relativ großen Kleingruppen) konzentrierte Arbeit zu ermöglichen. Wichtig ist dann aber, dass der vierte Schritt ohne Hektik, mit Zeit zum Ausprobieren und ohne ständigen Blick auf die Uhr stattfinden kann.

  2. Die Arbeitsblätter sind in erster Linie Medien der Vorbereitung (Wie lauten die Impulse? Was ist uns theologisch wichtig?); nur in Schritt 3 kommen Arbeitsblätter zum Einsatz, die dann auch gern in den Gruppen „verbraucht“ werden können. Falls es einen Konfi-Ordner gibt, hat er hier eher die Aufgabe, ein Back-Up-Medium zur eigenen Lektüre und zur Erinnerung an die Konfi-Zeit zu sein. Ich drucke für Kleingruppenarbeit die erforderlichen Arbeitsblätter oft nochmals aus (ein Exemplar pro Kleingruppe, DIN-A3-Format), um die Gruppe zur gemeinsamen Arbeit am gemeinsamen Blatt anzuregen.

  3. Die Einstimmung (Schritt 1), die ja im Grunde ein „gelenktes Unterrichtsgespräch“ ist, liegt am Anfang des Bausteins und rekurriert auf die Erfahrungen und Beobachtungen der Konfis. Beides, Platzierung und Erfahrungsbezug, sind Faktoren, die ein solches Gespräch erleichtern. Das „Warum-Blatt“ M 1 im Ordner der Konfis entlastet davon, Notizen machen zu müssen.

  4. Durch Schritt 2 wird erreicht, dass der Input, also die wichtigen theologischen Aspekte des Themas, gehört und weiterverarbeitet wird, anstatt am Schluss unterzugehen und aufgepfropft zu wirken. Höhepunkt des Bausteins ist deswegen auch die Feier des Abendmahls, nicht der Vortrag des/r Konfi-Verantwortlichen.

  5. Der Baustein wurde mehrfach mit Konfigruppen von 15-25 Jugendlichen erprobt und ist mit dieser Gruppengröße gut machbar. Bei größeren Gruppen ist eine Teilung bzw. Verdoppelung der Kleingruppen erforderlich – am Ende von Schritt 3 ist dann mehr Zeit einzuplanen, um die größere Zahl der Vorschläge sinnvoll verarbeiten zu können. Die Abendmahlsfeier selber wird m. E. umso schöner, je größer die Konfi-Gruppe ist.

  6. Je öfter der Kirchenraum genutzt wird und je mehr gottesdienstliche Elemente in den Konfi eingebaut werden, desto besser fügt sich dieser Baustein in die Konfizeit ein und desto kompetenter und qualitätsbewusster agieren die Jugendlichen.

Erfahrungen und Ergebnisse aus dem Konfi

Zwei Dinge waren beim Ausprobieren des Bausteins besonders eindrücklich:

  • Zum einen die unverkrampfte Konzentriertheit der Konfis bei der Abendmahlsfeier; zum anderen der kreative Umgang mit Texten und Liedern, die schon an anderer Stelle im Konfi vorgekommen waren. So war etwa die Idee einer (hauptsächlich aus Jungs bestehenden) Gruppe, die Gemeinschaft dadurch deutlich zu machen, dass das Credo gemeinsam gesprochen und das „Ich“ darin durch ein „Wir“ ersetzt wird. Kombiniert mit den Überlegungen einer anderen Kleingruppe ergab sich aus dieser Idee ein Gottesdienstanfang mit einem Einzug in die Kirche, der mit dem in Reihe kniend auf den Altarstufen gesprochenen gemeinschaftlichen Glaubensbekenntnis endete.

  • Zuletzt hat sich auch hier der segensreiche Einfluss des Kirchenraums gezeigt, der – dazu ist er ja auch gebaut – die Präsenz Gottes spürbar macht und damit den Überlegungen der Konfis eine neue Qualität verleiht. Sie (fast) allein haben die Feier konzipiert – aber wenn dann wirklich Abendmahl gefeiert wird, ist Gott dabei. So wird in der Erfahrung der Konfis „das“ Abendmahl zu „meinem“ Abendmahl und „diese“ Kirche zu „meiner“ Kirche. Daran lässt sich später immer wieder anknüpfen.

Beispiele für Abendmahlsfeiern, wie sie als Ergebnis dieser Stunde gefeiert wurden, sind am Ende der pdf-Datei dieses Bausteins zu finden (Download).

Material

Im Konfiraum wird ein Stuhlkreis gestellt, darin
eine gestaltete Mitte, die Folgendes enthält:

  • verschiedene Patenen und Kelche (inkl. Einzel- und Gemeinschaftskelch)
  • roten und weißen Traubensaft
  • verschiedene Brotsorten von der Oblate bis zum Vollkornbrot
  • eine Bibel
  • ein Gesangbuch
  • Dekorationsmaterial (z. B. Tücher, Teelichter)
  • M1 bis M3
  • Außerdem muss ein Plakat oder Flipchartblatt samt Stiften zur Verfügung stehen und die Kirche zur Benutzung frei sein.
Siehe Fließtext.
Siehe Fließtext.

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